Veröffentlichungen im Projekt
Schulze, T., Seewald, C., & Werner, S. (2025). Ästhetische Zugänge zu Literatur durch KI am Beispiel des Jugendromans Wolf von Saša Stanišić. SLLD, preprint
| Laufzeit | 2024-2025 |
| Projektfinanzierung | RMU-Initiativfonds Lehre |
| Projektleitung | Dr. Sybille Werner (Mainz) |
| Projektmitarbeiter_innen | Tina Schulze (Frankfurt), Charlotte Seewald, M.A. (Darmstadt) |
Ausgangslage und Motiv des Projekts
Die kulturelle Dominanz der Digitalität verändert Sozialisationsverläufe Heranwachsender gravierend und hat damit einschneidende Auswirkungen auf gelebte mediale Praktiken. Wenn auch das Leseverhalten über die letzten Jahre hinweg konstant blieb, so sind Kinder und Jugendliche zunehmend informellen Medieninhalten und eher passiven Formen der Aneignung von Medien ausgesetzt. Literarische Texte hingegen erfordern aktive Vorstellungsbildung und emotionale Beteiligung.
MARVL-PRO nimmt diese Anforderung als Ausgangspunkt und stellt sich gegen die Abwertung neuerer medialer Praktiken, indem es Wege aufzeigt, wie diese neuen Technologien nicht konsumierend, sondern produktiv und handlungsorientiert gestaltet werden. Die gegenwärtige Unterrichtskultur im literarischen Bereich schöpft dieses Potenzial bisher kaum aus: Literarischer Kompetenzgewinn erfolgt weiterhin mehrheitlich kognitiv-instruktiv und droht zugleich den Anschluss an die mediale Lebenswelt Jugendlicher zu verlieren. Erfahrungsorientierter Unterricht, der literarische Lektüre als personal bedeutsam und ästhetische Wahrnehmungsprozesse fruchtbar werden lässt, findet bislang wenig Einzug in Klassenräume.
Fragestellung, Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel des Projekts MARVL-PRO ist es, literarästhetische Rezeptionsprozesse in multimedialen Erfahrungsräumen zu erschließen und Lehramtsstudierende für deren didaktische Gestaltung zu qualifizieren. Im Fokus steht die Frage, welche Chancen und Risiken entstehen, wenn Literatur die Geschlossenheit des Buches verlässt und in offenen auditiven Text-Bild-Räumen erscheint und welche Rezeptionskompetenzen die adäquate und lernwirksame Begegnung mit ihr verlangt.
Konkret werden im Projekt multimediale Zugänge zu literarischen Texten theoretisch fundiert, didaktisch modelliert. Dabei entstehen Unterrichtskonzepte und Lehr-Lernmaterialien, die ästhetische Erfahrungsprozesse mit digitalen Medien verbinden und kritische Medienkompetenz fördern.
Im Zentrum des Projekts stehen folgende literaturdidaktische und medienpädagogische Fragestellungen:
- Welche Angebote multimedialer Literaturvermittlung existieren und wie lassen sie sich für schulische Kontexte erschließen?
- Welche (etablierten oder neuen) Rezeptionskompetenzen erfordert die Begegnung mit Literatur in offenen Text-Bild-Räumen?
- Wie können multimediale Zugänge literarästhetische Erfahrungen ermöglichen, ohne subjektive Vorstellungsbildung und vertiefte Lektüre zu ersetzen?